Visit @ Moonshine Distillery Limburg

12. Juli 2019

Whisky made in Limburg

Die an der Lahn gelegene Stadt Limburg ist sicherlich vielen tausenden Whiskyfreunden auf der ganzen Welt bekannt, ist sie doch Austragungsort der Whisky Fair, eine der wichtigsten und bekanntesten Whiskymessen in Deutschland und eine der größten Europas. Jährlich pilgern tausende Whiskybegeisterte in die Domstadt, um über neue aber auch über alte Abfüllungen zu fachsimpeln und um edle Tropfen zu verkosten. 

 

Mit der kürzlich eröffneten Moonshine Distillery ist die Stadt Limburg nun um eine Whisky-Attraktion reicher und kann nun sogar eine Whiskybrennerei vorweisen! Gerade einmal fünf Gehminuten von der Messe entfernt liegt das im Jahr 1912 erbaute Gebäude, welches bis 1948 von den Gebrüdern Fachinger als "Kaffee-Groß Brennerei Nassovia genutzt wurde. Noch heute spricht man in Limburg von der alten "Kaffee-Rösterei", die nun dank der Saarwhisky GmbH zu neuem Leben erweckt wird. Die ursprüngliche Kleindestillerie ist mittlerweile zu einer beachtlichen Whiskybrennerei herangewachsen und so schaute sich die Familie Rosinski nach neuen, größeren Räumlichkeiten um. Gut, dass Brennmeister und Gründungsmitglied Christoph Rosinski in Limburg gleich gegenüber der alten Rösterei wohnt und mit dem Besitzer des imposanten Backsteingebäudes ins Gespräch kam, der zu dieser Zeit das Gebäude verkaufen wollte. Dank des strikten Denkmalschutzes kam es jedoch nicht dazu und so konnte nach ca. einjähriger Vorarbeit die Moonshine Distillery Limburg in das historische Gebäude einziehen.

 

Ab Mitte Juli 2019 soll hier dann der erste Single Malt Whisky aus Limburg gebrannt werden. Insgesamt 50 Fässer a 30 Liter sollen noch in diesem Jahr abgefüllt werden. Im nächsten Jahr plant man aktuell bereits mit 100 Fässern.

 

Die Brennerei und das Equipment

Ich bin ein wenig vor der verabredeten Zeit da und hatte Zeit mich ausgiebig umzusehen. Durch die hohen, alten Fabrikfenster kann man bereits von Außen einen ersten Blick ins Innere des ehemaligen Rösterei erhaschen und die 350l- Pot-Still bewundern. Ein paar Fotos später werde ich herzlich von Matthias und Christoph Rosinski, die Besitzer der Moonshine Distillery, in dem kleinen Vorhof des imposanten Backsteingebäudes in Empfang genommen. Nach dem betreten des Gebäudes steht man sogleich im sehr geräumigen aber zugleich noch sehr leerem Tasting-Raum, in dem später dann die Fässer gelagert und ausgestellt werden soll.

 

Nur ein paar Schritte weiter versteckt sich hinter einer Regalwand, die als Trennung zwischen Verkostungsraum und Brennerei dient, das Herzstück der Moonshine Distillery. Eine 350 Liter Pot Still, die Matthias und Christoph selbst entworfen und dann durch die portugiesischen Kupfermeister Copper Smith in Portugal haben bauen lassen. In ihrer Form erinnert die ungewöhnliche Kupferbrennblase an einen Mix aus klassischen arabischen al-ambiq Brennhelmen sowie den schottischen Destillierblasen, wobei letztere sich in dem lang nach oben gezogenen Hals wiederfinden. Ähnliche Blasen findet man vergleichsweise bei Stauning in Dänemark oder gar bei Strathearn in Schottland. Christoph erzählt mir, dass die Herstellung ca. 6 Wochen gedauert hat und er die Brennblase selbst mit einem Transporter in Portugal abgeholt und nach Limburg gefahren hat. Ein kleines Abenteuer! Für den Feinbrand wird in den nächsten Tagen noch eine 100 Liter fassende Spirit-Still des gleichen Herstellers installiert, mit der der Rohbrand dann zu einem Feinbrand destilliert wird.  

 

Der sich der Brennblase anschließende Bereich, in dem der Alkohol kondensiert, ist wie es sich leider Gottes für Deutschland gehört im Käfig "unter Verschluss" gehalten. Auch hier haben Matthias und Christoph ganze Arbeit geleistet und dank kreativer Ideen eine wundervolle und beeindruckende Anlage erschaffen. Matthias zeigt mir stolz eine Glasglocke, unter der das Alkoholmeter installiert ist. Das Besondere - die Glasglocke ist eigentlich eine Käseglocke, die man bei Amazon gekauft hat und für die eigenen Bedürfnisse kurzer Hand umfunktioniert hat. Einfach großartig! Für die Erhitzung der Pot-Still und dem Mash-Tun bedient man sich an Gasbrennern, die eigentlich für Paella-Pfannen genutzt werden. Diese beziehen Matthias und Christoph direkt aus Spanien, Paella-Pfanne inklusive versteht sich ;) 

 

Gegenüber der Verschlussbrennerei befinden sich noch weitere kleine Brennblasen, mit denen diverse Feinbrände (u.a. Gin und Absinth) von Christoph gebrannt werden.

 

Malz, Fässer und die zu erwartenden Abfüllungen

Die Hefe stammt von Weihenstephan und Matthias verrät, dass grundsätzlich eine getorfte und eine blumige Variante produziert werden soll. In der Brennerei selbe liegen derzeit Säcke eines ungetorften Malzes von Caslte Malting aus Belgien sowie ein Rauchmalz (Best Whisky Malz pested)  von Bestmalz aus Heidelberg. Durch die Kombination der 100 Liter Feinbrand- und der 350 Liter Wash Still kann aus einem Brennvorgang genau ein 30 Liter Fass abgefüllt werden. Damit handelt es sich nicht nur um einen "Single-Cask" sondern auch um einen "Single-Still" Whisky, das heißt Whisky aus einem einzelnen Brennvorgang! Ziemlich cool und nicht allzu oft zu sehen.

 

Die Fässer bezieht man aus Deutschland (u.a. bei Wilhelm Eder in Bad Dürkheim oder bei Krogemann in Bremen) aber man schaut sich auch bei den Brennereien in Schottland nach geeigneten Fässern um.  Auch will man mit verschiedenen Finishes experimentieren und in den ersten drei Jahren auf dem Weg bis zum ersten Whisky div. Malzbrände auf den Markt bringen.

 

Das eigene Fass oder aber gar direkt Selber Destillieren

Bei der Moonshine Distillery haben Whiskyfreunde die Möglichkeit, sich ihr eigenes 30 Liter ex-Bourbon Fass mit dem Moonshine Spirit befüllen zu lassen. Bei den Fässern handelt es sich um Umbauten von ehemaligen 200 Liter ex-Bourbon Barrels aus amerikanischer Weißeiche. Durch das geringe Volumen, reift der Whisky deutlich schneller und so erhält man bereits nach ein paar Jahren brauchbare Ergebnisse. Die Käufer haben sogar die Möglichkeit, sich ihr eigenes Fass mit ihrem Namen oder Logo mittels neuer Lasertechnologie gravieren zu lassen und erhalten ein exklusives Fasszertifikat mit der persönlichen Fassnummer.

 

Der Preis für ein 30 Liter Fass Moonshine Spirit beträgt EUR 2.000 und wird im voraus fällig. im Preis enthalten sind die Abfüllung in 0,5 Liter Flaschen, die Etikettierung, die Lagerung des Fasses für 3 Jahre, Alkohol und Mehrwertsteuer sowie die Gravur des Fasses.

 

Wer selbst Hand anlegen will kann seinen eigenen Whisky auch gleich selber destillieren. Hierzu werden regelmäßig Brennseminare angeboten, in denen man hautnah den gesamten Produktionsprozess vom Einmaischen bis zur finalen Destillation des Whisky mitbekommt. Für EUR 2.500 kann man sogar einen 3-tägigen Master Distiller Kurs besuchen, der einem alles bietet, um den eigenen Whisky herstellen zu können (anschließen erhält man sein Fass mit dem selbst destillierten Spirit). Man hat aber auch die Möglichkeit die vier enthaltenen Module  -Mashing, Wash Still, Spirit Still und Fasslagerung- separat zu besuchen. Der Preis pro Modul beträgt EUR 150.

  

SaarWhisky - Die Besitzer der Brennerei

Saarwhisky wird vielen Whiskyfreunden bereits als unabhängiger Whiskyabfüller aus dem Saarland bekannt sein, der sich auf Single Cask Abfüllungen spezialisiert hat. Hierfür importiert die Familie Rosinski die von Ihnen ausgewählten Fässer aus Schottland und Irland. Das Thema der Abfüllungen ist dabei stets an das saarländische Kulturgut angelehnt, welches sich insbesondere in den Namen der Abfüllungen wie etwa "Gruwehewwel" oder "Schwenker" wiederspiegelt. Das Sortiment wurde mittlerweile mehrfach ausgezeichnet. Der "Gruwehewwel" nicht zuletzt durch Jim Murray zu einem der besten Single Malts der Welt gekürt.

 

Die Moonshine Distillery wird von Christoph und Matthias Rosinski (Vater & Sohn) betrieben. Matthias als BWLer agiert als Geschäftsführer, Papa Christoph als Ingenieur mit Schwerpunkt auf Wärme & Energie bringt seine Kenntnisse insbesondere im Bau der Anlage ein und ist der Brennmeister der Destillerie. Christoph erzählt mir, dass er bereits schon früher hinter verschlossenen Vorhängen im Studentenwohnheim Alkohol destilliert hat. Ein echter Moonshiner also :)

 

Fazit

Erst einmal möchte ich mich bei Christoph und Matthias für die Einladung und den herzlichen Empfang bedanken. Es hat mir wirklich Freude bereitet, euch in Limburg zu besuchen. Die Brennerei ist wirklich sehr aufregend und man fühlt sich in der Tat ein wenig als Moonshiner, wenn man auf die einzelnen Gerätschaften blickt. Es ist schön zu sehen, mit wie viel Herzblut ihr bei der Sache seid und mit welchem enormen handwerklichen Geschick und Einfallsreichtum ihr eure Brennanlage erarbeitet und aufgebaut habt! Ich hoffe, dass euer Mut und Einsatz belohnt wird und bin auf die ersten Ergebnisse gespannt. 

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